Ein großer Teil der WordPress-Freelancer liefert Webseiten mit Elementor, Divi oder WPBakery. Drag and Drop, sieht auf den ersten Blick hervorragend aus, ist ja so einfach. Doch dann wirfst du einen Blick auf die Ladezeit und merkst: Irgendetwas stimmt nicht.
Offen gesagt halte ich Pagebuilder für eines der größeren Probleme im WordPress-Ökosystem. In diesem Artikel erkläre ich, warum ich keinen einzigen mehr verwende, und wo die Sache 2026 differenzierter liegt, als oft behauptet wird.
Was ein Pagebuilder eigentlich macht
Pagebuilder sind Plugins, die dir einen visuellen Editor zur Verfügung stellen. Du ziehst Elemente auf die Seite und änderst Farben, Schriften und Abstände, alles ohne eine einzige Zeile Code. Das klingt komfortabel, hat aber einen Preis.
Im Hintergrund erzeugt der Pagebuilder viel Code. Für jedes Element entstehen verschachtelte DIVs, Inline-Styles und zusätzliches JavaScript, ob du es brauchst oder nicht. Eine einfache Seite mit Überschrift, Text und Bild kommt mit etwa 20 Zeilen sauberem HTML aus. Derselbe Inhalt mit einem Pagebuilder kann schnell das Zehnfache an Markup erzeugen.
Die drei großen Probleme
1. Performance: die Seite wird schwerer
Google bewertet die Seitengeschwindigkeit seit der Einführung der Core Web Vitals 2021 als Ranking-Faktor. Seit 2024 zählt dazu die Kennzahl INP (Interaction to Next Paint), neben LCP (Ladezeit) und CLS (visuelle Stabilität). Das lässt sich nicht ignorieren.
Pagebuilder bringen tendenziell mehr Ballast mit: zusätzliche CSS- und JavaScript-Dateien und oft komplette Icon- oder Schriftbibliotheken, von denen du nur einen Bruchteil nutzt. Das summiert sich zu Ladezeit, gerade am Smartphone mit schlechter Verbindung.
Fairerweise muss man sagen: Elementor und die anderen haben hier in den letzten Jahren nachgebessert. Aktuelle Versionen laden Assets gezielter, bieten schlankere Container und in der neuesten Editor-Generation sogar atomare Komponenten. Schlanker als ein von Hand gebautes Theme werden sie dadurch trotzdem nicht, und die strukturellen Probleme bleiben.
Ich habe Webseiten übernommen, die mit Elementor gebaut waren. Erste Maßnahme: Pagebuilder raus, sauber neu aufsetzen. In einem Fall ist die Ladezeit von 5,2 auf 1,1 Sekunden gefallen, ohne dass sich am Inhalt etwas geändert hätte.
2. Lock-in: du wirst abhängig
Das ist der Punkt, den die meisten unterschätzen, und gleichzeitig das stärkste Argument. Wenn du deine Webseite mit Elementor baust und irgendwann wechseln möchtest, zu einem anderen Entwickler, einem anderen System oder einfach weg vom Plugin, hast du ein Problem.
Elementor speichert deine Inhalte in einem eigenen Format. Deaktivierst du das Plugin, bleibt ein Haufen Shortcodes und kaputtes Layout übrig. Dein Content liegt also nicht sauber in WordPress, sondern im Elementor-Format gefangen. Ein einfacher Wechsel ist damit nicht möglich, die Seite muss neu aufgebaut werden. Genau deshalb ist die Umstellung einer Elementor-Seite faktisch ein Neubau, mit dem Vorteil, dass Texte und Bilder bereits vorhanden sind.
Dazu kommt die Lizenzabhängigkeit. Elementor Pro muss jährlich verlängert werden, Lifetime-Lizenzen wurden 2022 abgeschafft. Zahlst du nicht weiter, verlierst du Funktionen und Updates. Bei Divi und WPBakery ist es ähnlich. Du mietest im Grunde dein eigenes Design.
3. Aufgeblähter Code: vor allem ein Performance-Thema
Der überladene Code schadet weniger, weil Google ihn nicht lesen könnte (mit verschachtelten DIVs kommen Crawler problemlos zurecht), sondern weil er die Seite schwerer und langsamer macht. Inline-CSS statt sauberer Stylesheets, unnötige Wrapper und doppelt geladene Ressourcen kosten Ladezeit, und Ladezeit ist der eigentliche Ranking-Hebel.
Sauberes, semantisches HTML hilft zusätzlich: bei der Verständlichkeit, bei der Barrierefreiheit und bei strukturierten Daten. Öffne den Quellcode einer beliebigen Elementor-Seite, und du siehst für eine simple Überschrift ein Geflecht aus <div class="elementor-element elementor-widget ...">. Ein sauberes Theme löst dasselbe mit einer einzigen Zeile.
Die Alternative: sauberes Theme-Development
Was ich stattdessen mache: WordPress-Themes von Grund auf entwickeln. Kein Elementor, kein Divi, kein WPBakery. Reines PHP, HTML, CSS und bei Bedarf JavaScript. Für dich heißt das schnelle Ladezeiten ohne Überschuss, sauberen und semantischen Quellcode, keine Plugin-Abhängigkeit und eine einfachere Wartung mit weniger Updates und weniger Sicherheitslücken.
Am Komfort ändert sich für dich dabei nichts. Du bearbeitest deine Inhalte ganz normal im WordPress-Block-Editor (Gutenberg): Texte ändern, Bilder tauschen, neue Seiten anlegen, alles ohne Pagebuilder. Und nein, Gutenberg ist kein Pagebuilder im selben Sinn. Es ist der native Editor von WordPress und speichert Inhalte als sauberes HTML direkt in der Datenbank, ohne eigenes Format und ohne Lock-in. Du hast Blöcke für Text, Bilder, Listen und mehr, aber ohne den Ballast eines externen Plugins.
„Aber ich brauche doch die Drag-and-Drop-Freiheit“
Verständlicher Einwand. Die Wahrheit ist aber: Die allermeisten Business-Webseiten brauchen dieselben Bausteine. Überschriften, Text, Bilder, ein Kontaktformular, vielleicht eine Testimonial-Sektion. Dafür braucht es keinen visuellen Pagebuilder, sondern ein sauber entwickeltes Theme, das genau diese Elemente schnell und schlank mitbringt.
Und der Rest, die wirklich individuellen Anforderungen? Die löst man besser mit sauberem Custom Code als mit einem generischen Plugin.
Woran du erkennst, ob deine Webseite ein Pagebuilder-Problem hat
- Ladezeit über drei Sekunden auf Google PageSpeed Insights
- schlechte Core Web Vitals (roter Bereich bei LCP, CLS oder INP)
- 20 oder mehr aktive Plugins, viele davon Elementor-Add-ons
- ein Quellcode mit Hunderten verschachtelter DIVs für einfache Inhalte
- jährliche Lizenzkosten für Elementor Pro, Divi und Co.
Was es kostet, wenn du nichts unternimmst
Eine langsame Webseite kostet dich jeden Tag Besucher. Google stuft dich schlechter ein, Nutzer springen früher ab, und mögliche Anfragen bleiben aus. Die jährlichen Plugin-Lizenzen zahlst du trotzdem weiter.
Wie ich arbeite
Früh in meiner Laufbahn habe ich ebenfalls mit Pagebuildern gearbeitet. Es fühlte sich intuitiver an, und man hatte schnell etwas Vorzeigbares. Mit der Zeit merkt man aber, dass die Probleme später kommen: langsame Seiten, gerade bei Projekten, die im Content organisch wachsen, Kunden, die nicht einfach wechseln können, und Plugin-Updates, die im schlimmsten Fall das Layout zerschießen.
Seit ich sauber entwickle, sind diese Probleme verschwunden. Meine Webseiten laden unter zwei Sekunden, der Code ist dokumentiert und leicht wartbar, und kein Kunde ist an ein Plugin gekettet. Das ist mir den etwas höheren Aufwand in der Entwicklung wert. Denn der relativiert sich schnell: Was die erste Umsetzung mehr kostet, sparst du dir später bei Performance-Nacharbeit, Plugin-Konflikten und Lizenzgebühren. Auf drei bis fünf Jahre gerechnet ist die saubere Lösung in aller Regel günstiger.
Was du dir sparst
- Elementor-Pro-Lizenz: rund 59 bis 399 US-Dollar pro Jahr (Listenpreis, je nach Anzahl der Lizenzen), die du nicht brauchst
- Performance-Plugins: Ist der Code sauber, brauchst du kein WP Rocket und Co. zum Nachbessern
- einen späteren Neubau: weil du nicht in zwei Jahren alles noch einmal machen musst, falls der Pagebuilder Probleme macht
- Ärger: keine kaputten Layouts nach Plugin-Updates
Wenn du wissen willst, ob deine aktuelle Seite an einem Pagebuilder hängt und was das in deinem Fall bedeutet, schreib mir. Ich schaue es mir an und sage dir ehrlich, ob sich ein Wechsel lohnt.