Warum deine Webseite keinen Pagebuilder braucht
Jeder zweite WordPress-Freelancer liefert Webseiten mit Elementor, Divi oder WPBakery. Drag and Drop, sieht auf den ersten Blick hervorragend aus, ist ja so einfach. Doch dann wirfst du einen Blick auf die Ladezeit… und merkst: Irgendetwas stimmt nicht.
Offen gesagt: Pagebuilder sind eines der größten Probleme im WordPress-Ökosystem. In diesem Artikel erkläre ich, warum ich keinen einzigen (mehr) verwende.
Was ein Pagebuilder eigentlich macht
Pagebuilder sind Plugins, die dir einen visuellen Editor zur Verfügung stellen. Du ziehst Elemente auf die Seite, änderst Farben, Schriften, Abstände — alles ohne eine einzige Zeile Code. Klingt komfortabel. Ist es aber nicht.
Was im Hintergrund passiert: Der Pagebuilder generiert massenhaft Code. Für jedes Element, das du auf die Seite ziehst, werden Dutzende verschachtelte DIVs erzeugt, Inline-Styles eingefügt und JavaScript geladen — ob du es brauchst oder nicht.
Eine einfache Seite mit Überschrift, Text und Bild benötigt vielleicht 20 Zeilen sauberes HTML. Derselbe Inhalt mit Elementor? 200 bis 400 Zeilen aufgeblähter Code. Das ist keine Übertreibung.
Die drei großen Probleme
1. Performance: deine Webseite wird langsam
Google bewertet die Seitengeschwindigkeit als Ranking-Faktor. Seit der Einführung der Core Web Vitals im Jahr 2021 ist das ein Thema, das du nicht ignorieren kannst.
Eine typische Elementor-Seite lädt:
- 3 bis 5 zusätzliche CSS-Dateien
- 2 bis 4 JavaScript-Dateien
- Font Awesome komplett (selbst wenn du nur 2 Icons verwendest)
- Google Fonts über einen externen Aufruf
Das Ergebnis: Statt 1 bis 2 Sekunden Ladezeit erreichst du 4 bis 6 Sekunden. Auf dem Smartphone mit schlechter Verbindung noch deutlich mehr. Und jeder Besucher, der wartet, ist ein verlorener Kunde.
Ich habe Webseiten übernommen, die mit Elementor gebaut waren. Erste Maßnahme: Pagebuilder entfernen, sauber neu aufsetzen. Ergebnis: Ladezeit von 5,2 Sekunden auf 1,1 Sekunden — ohne dass sich am Inhalt irgendetwas geändert hat.
2. Lock-in: du wirst abhängig
Das ist der Punkt, den die meisten unterschätzen. Wenn du deine Webseite mit Elementor baust und irgendwann wechseln möchtest — zu einem anderen Entwickler, einem anderen System oder einfach weg vom Plugin — dann hast du ein Problem.
Elementor speichert deine Inhalte in einem eigenen Format. Wenn du das Plugin deaktivierst, bleibt ein Haufen Shortcodes und kaputter Code übrig. Dein Content ist nicht einfach in WordPress gespeichert, sondern im Elementor-Format gefangen.
Im Klartext: Du kannst nicht einfach wechseln. Du musst alles neu aufbauen. Und das kostet.
Noch problematischer: Elementor Pro (die kostenpflichtige Version) muss jährlich verlängert werden. Zahlst du nicht, verlierst du Features. Bei Divi und WPBakery verhält es sich ähnlich. Du mietest im Grunde dein eigenes Design.
3. Aufgeblähter Code: schlecht für SEO
Google-Crawler müssen deinen Code lesen und verstehen. Je sauberer der Code, desto besser versteht Google deine Seite.
Pagebuilder erzeugen:
- Verschachtelte DIVs ohne semantische Bedeutung
- Inline-CSS statt sauberer Stylesheets
- Unnötige Wrapper-Elemente
- Doppeltes und dreifaches Laden von Ressourcen
Öffne den Quellcode einer beliebigen Elementor-Seite. Du wirst sehen: Ein Meer aus <div class="elementor-element elementor-element-abc123 elementor-widget elementor-widget-heading"> — für eine einfache Überschrift. Ein sauberes WordPress-Theme löst das mit einer einzigen Zeile HTML.
Die Alternative: sauberes Theme Development
Was ich stattdessen mache: Ich entwickle WordPress-Themes von Grund auf. Kein Elementor, kein Divi, kein WPBakery. Reines PHP, HTML, CSS und bei Bedarf JavaScript.
Was das für dich bedeutet:
- Schnelle Ladezeiten: Nur der Code, der wirklich gebraucht wird. Kein Überschuss.
- Sauberer Quellcode: Semantisches HTML, strukturierte Daten — alles, was Google bevorzugt.
- Keine Abhängigkeit: Dein Content lebt in WordPress, nicht in einem Plugin. Du kannst jederzeit wechseln.
- Einfache Wartung: Weniger Plugins, weniger Updates, weniger Sicherheitslücken.
Für dich als Kunden ändert sich dabei nichts am Komfort. Du bearbeitest deine Inhalte ganz normal im WordPress Block-Editor (Gutenberg). Texte ändern, Bilder tauschen, neue Seiten anlegen — all das funktioniert auch ohne Pagebuilder. Gutenberg ist der native Editor von WordPress und speichert Inhalte als sauberes HTML direkt in der Datenbank.
„Aber ich brauche doch die Drag-and-Drop-Freiheit“
Stimmt! Aber die Wahrheit ist: 90 % aller Business-Webseiten brauchen dieselben Elemente. Überschriften, Text, Bilder, Kontaktformular, vielleicht eine Testimonial-Sektion. Dafür brauchst du keinen visuellen Pagebuilder.
Was du brauchst, ist ein sauber entwickeltes Theme, das genau diese Elemente mitbringt — schnell, schlank und ohne den ganzen Ballast.
Die restlichen 10 %? Da sprechen wir über individuelle Anforderungen. Und die löst man besser mit sauberem Custom Code als mit einem generischen Plugin.
Woran du erkennst, ob deine Webseite ein Pagebuilder-Problem hat
- Ladezeit über 3 Sekunden auf Google PageSpeed Insights
- Schlechte Core Web Vitals (roter Bereich bei LCP, CLS oder INP)
- 20 oder mehr aktive Plugins (viele davon Elementor-Add-ons)
- Quellcode mit Hunderten verschachtelter DIVs für einfache Inhalte
- Jährliche Lizenzkosten für Elementor Pro, Divi und Co.
Was es kostet, wenn du nichts unternimmst
Eine langsame Webseite kostet dich jeden Tag Besucher. Google rankt dich schlechter, Nutzer springen ab, Anfragen bleiben aus. Und die jährlichen Plugin-Lizenzen zahlst du trotzdem weiter.
Wie ich arbeite
Früh in meiner Karriere habe ich ebenfalls mit Pagebuildern gearbeitet — weil es schnell ging und der Kunde sofort etwas sehen konnte. Doch ich habe festgestellt: Die Probleme kommen später. Langsame Seiten, Kunden die nicht wechseln können, Updates die etwas zerschießen.
Seit ich sauber entwickle, sind diese Probleme verschwunden. Meine Webseiten laden unter 2 Sekunden, der Code ist wartbar, und kein Kunde ist an ein Plugin gekettet. Das ist mir den etwas höheren Aufwand bei der Entwicklung wert.
Was du dir sparen kannst
- Elementor Pro Lizenz: 59 bis 399 Euro netto pro Jahr, die du nicht benötigst
- Performance-Plugins: Wenn der Code sauber ist, brauchst du kein WP Rocket und Co. zum Nachbessern
- Späterer Neubau: Weil du nicht in 2 Jahren alles noch einmal machen musst, wenn der Pagebuilder nicht mehr unterstützt wird
- Ärger: Keine kaputten Layouts nach Plugin-Updates
FAQ
Häufige Fragen
Kann ich meine Elementor-Seite einfach umstellen?
Nicht ohne Weiteres, nein. Wenn du von Elementor weg möchtest, muss der Content neu aufgebaut werden. Die Inhalte bleiben selbstverständlich erhalten, aber die Struktur muss sauber neu erstellt werden. Im Grunde handelt es sich um einen Neubau der Seite — mit dem Vorteil, dass Texte und Bilder bereits vorhanden sind.
Ist der WordPress Block-Editor (Gutenberg) nicht auch ein Pagebuilder?
Nein. Gutenberg ist der native WordPress-Editor. Er speichert Inhalte als sauberes HTML direkt in der Datenbank — kein eigenes Format, kein Lock-in. Du hast Blöcke für Text, Bilder, Listen und mehr, aber ohne den gesamten Overhead eines externen Plugins.
Dauert die Entwicklung ohne Pagebuilder nicht länger?
Die initiale Entwicklung dauert etwas länger, ja. Dafür sparst du dir später die typischen Probleme: Performance-Optimierung, Plugin-Konflikte, Lock-in-Kosten. Auf 3 bis 5 Jahre gerechnet ist saubere Entwicklung immer günstiger.