Marketing-Phrasen: „Do zuckt mei Augenlid!“
Das letzte Mal, dass ich Social Media ernsthaft angegangen bin, war für Kunden. Ich selber bin kein großer Fan davon, war es nie und werde es vermutlich nie sein. Es sind eben Plattformen, die Reichweite bringen, aber ein Ort für echte Connections… schwierig. Egal ob Facebook, Instagram oder eben LinkedIn: mein Wohlfühlfaktor ist eher begrenzt. Vermutlich bin ich da zu introvertiert, oder habe einfach nicht das große Bedürfnis, für mich selber Werbung zu machen (was ja doof ist, denn für Kunden klappt es ja auch). Es gehört eben zum Job, sich damit auseinandersetzen zu müssen.
Aber heute hab ich mich mal hingesetzt und sinniere über Sinn und Unsinn von dem, was einem hier so begegnet. Eine Art Haifischbecken, nur ganz ohne den Thrill. Werbeplattformen voller Unbekannter mit Klarnamen, die sich gegenseitig beschnuppern und am Ende des Tages doch nur sondieren. Viele Worthülsen, oft aneinandergereiht, aber immer gleich klingend, weil natürlich alle dieselben Marketinggrundlagen anwenden und alles irgendwann hohl klingt. Leb- und seelenlos.
Schnell könnte man sagen: „Puh, sicher meint er die ganzen KI-generierten Inhalte“, und ja, die gehören vermutlich dazu — aber das meine ich gar nicht primär. Das ganze Marketing-Speech ist gemeint, oft aus den immer selben Swipe Files herausgezogen. Die keyword-optimierten Phrasen, die mittlerweile nur noch ein nervöses Augenlidflattern bei mir verursachen. Wenn ein Installateur schreibt, er biete „ganzheitliche Haustechnik-Lösungen für Ihren Lebensraum“, dann möchte ich ihm zurufen: Schreib doch einfach, dass du Heizungen reparierst und dass man dich anrufen soll. Das reicht. Das ist sogar besser. Damit möchte ich nicht die Verfasser herabwürdigen, auf keinen Fall. Es ist etwas Angelerntes, Eingeprügeltes, ein Best-Practice-Ding. „Es funktioniert“ bzw. „hat bereits funktioniert!“ Ändert nur nichts daran, dass es bei mir einen bitteren Beigeschmack hinterlässt.
Wobei genau das ist eigentlich der Kern von dem, was ich beruflich mache. Webseiten bauen, die sagen was sie meinen, statt sich hinter Worthülsen zu verstecken. Die gleiche Allergie gegen Hohlphrasen ist vermutlich der Grund, warum Kunden mit meinen Ergebnissen zufrieden sind. So gesehen schreibe ich hier gerade einen Marketing-Post darüber, dass ich Marketing-Posts nicht mag. Die Ironie ist mir bewusst, und ich lasse sie einfach mal so stehen.
Und ja, mir ist klar: ziemlich subjektive Sicht der Dinge. Aber mir war danach, einen Gedankengang in den Raum zu werfen, der mir durch den Kopf ging, als ich (gezwungenermaßen) durch die jeweiligen Plattformen scrollte und dem beinahe wahrnehmbaren Geräusch meines Augenlids lauschte, das dem Flügelschlag eines Spatzes in seiner Tonalität recht nahe kam.