Wix AI erstellt eine Webseite in fünf Minuten. Framer generiert Layouts aus einem Satz. v0.dev schreibt React-Code auf Knopfdruck. Die Frage, die sich jedes kleine Unternehmen stellt: Brauche ich noch einen Webdesigner?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, was deine Webseite leisten soll.
Was AI-Builder heute tatsächlich können
Die Technik hat sich in den letzten zwei Jahren massiv entwickelt. Wix AI erzeugt aus einem kurzen Chat ein komplettes Website-Gerüst mit Texten, Bildern und Navigation. Framer (mit einer Bewertung von zwei Milliarden Dollar) generiert visuell beeindruckende Landingpages. Die Ergebnisse sehen auf den ersten Blick professionell aus.
Und genau da liegt der Punkt: auf den ersten Blick. Für eine schnelle Visitenkarte oder einen Test reicht das oft. Sobald die Seite aber Kunden bringen, sicher sein und langfristig ranken soll, zeigen sich die Grenzen.
Performance ist messbar, und sie ist ein Ranking-Faktor
Google bewertet die Seitengeschwindigkeit seit 2021 offiziell mit (Page-Experience-Update, Core Web Vitals). Langsame Seiten haben es im Ranking schwerer, und genau hier schwächeln viele Baukasten-Ergebnisse: schwere Templates, überflüssiges Markup, nicht optimierte Bilder und viel mitgeliefertes JavaScript, das die Ladezeit ausbremst.
Bei einer professionell gebauten Seite ist Performance dagegen Teil der Arbeit: schlanker Code, optimierte Bilder, saubere Ladereihenfolge. Das ist kein kosmetischer Unterschied, sondern wirkt direkt auf Sichtbarkeit und Absprungrate.
Sichtbarkeit: Es geht um Substanz, nicht um das Werkzeug
Hier wird oft mit Halbwahrheiten argumentiert, deshalb der ehrliche Stand der Forschung.
Ein 16-monatiges Experiment (durchgeführt von SE Ranking, publiziert über Search Engine Land) hat 2.000 KI-generierte Artikel auf 20 brandneuen Domains veröffentlicht. Nach rund drei Monaten waren nur noch etwa drei Prozent der Seiten in den Top 100, ein Absturz von zuvor 28 Prozent. Wichtig dabei: Es ging um massenhaft publizierte, dünne Inhalte auf Domains ohne jede Autorität, und nach einem Google-Update im August 2025 erholte sich der Wert wieder auf rund 20 Prozent.
Das Gegenstück liefert eine Ahrefs-Analyse von 600.000 Seiten: Sie fand praktisch keine Korrelation zwischen KI-Anteil und Ranking. Rund 86 Prozent der Top-Seiten enthalten heute irgendeine Form von KI-Unterstützung. Google bestraft also nicht KI als solche, sondern dünne, austauschbare Massenware, egal ob von Mensch oder Maschine geschrieben.
Die ehrliche Schlussfolgerung: Entscheidend ist nicht, ob KI mitgeholfen hat, sondern ob am Ende echte Substanz steht. Googles Helpful-Content-Logik und das E-E-A-T-Prinzip (Erfahrung, Expertise, Autorität, Vertrauen) belohnen genau das. Eine reine Knopfdruck-Seite ohne eigene Inhalte und Struktur hat es deutlich schwerer, eine durchdacht gebaute Seite mit echtem Mehrwert nicht.
Das Sicherheitsproblem
Hier sind die Belege eindeutiger. Im Frühjahr 2025 wurde in der KI-Plattform Lovable eine Sicherheitslücke öffentlich (CVE-2025-48757): Über 170 Produktionsanwendungen waren exponiert, weil generierte Datenbanken ohne grundlegende Zugriffsregeln (Row Level Security) ausgeliefert wurden. Angreifer konnten ohne Login Nutzerdaten, Zugangsschlüssel und Datenbankinhalte abgreifen. Das Thema ist nicht erledigt: Auch 2026 wurden weitere, ähnliche Lücken in Lovable-Apps dokumentiert.
Das ist kein Einzelfall, sondern Muster. Mehrere Untersuchungen bestätigen es:
- Der Veracode GenAI Code Security Report (2025) fand, dass rund 45 Prozent des KI-generierten Codes mindestens eine Schwachstelle nach OWASP-Klassifikation enthält.
- Eine CodeRabbit-Analyse von 470 realen Pull Requests kam auf 2,74-mal mehr Sicherheitslücken und 1,7-mal mehr Probleme insgesamt im Vergleich zu menschlich geschriebenem Code.
Für jedes Unternehmen, das ein Kontaktformular, Kundendaten oder Zahlungsinformationen verarbeitet, ist das kein abstraktes Risiko, sondern ein Geschäftsrisiko, oft mit DSGVO-Bezug.
Die 80/20-Wand
AI-Tools erledigen die ersten 80 Prozent eines Projekts beeindruckend schnell. Template auswählen, Texte generieren, Farben anpassen, das funktioniert. Aber die letzten 20 Prozent kosten die Arbeit: individuelle Funktionen, Anbindung an Drittsysteme, Barrierefreiheit, Performance-Optimierung, SEO-Feinarbeit. Genau die Kompetenzen also, die das Tool zu ersetzen verspricht.
Auch bei reiner Code-Produktivität ist der Befund weniger eindeutig, als oft behauptet. Eine vielzitierte Studie der Forschungsgruppe METR fand 2025, dass erfahrene Entwickler mit KI-Tools sogar langsamer arbeiteten, obwohl sie das Gegenteil erwartet hatten. Die Autoren haben dieses Ergebnis Anfang 2026 allerdings selbst relativiert, weil die Methodik Schwächen hatte. Festhalten lässt sich vorsichtig: Die versprochenen großen Produktivitätssprünge sind zumindest nicht gesichert, und Nacharbeit an generiertem Code kostet real Zeit.
Der Kostenvergleich über drei Jahre
Der Preisvergleich wird oft verkürzt geführt. Wer nur auf den Startpreis schaut, übersieht die laufenden Abo-Kosten.
| KI-Baukasten (z. B. Lovable Pro) | Professionelle Website | |
|---|---|---|
| Erstellung | €0 (im Abo enthalten) | ab €1.490 einmalig |
| Laufende Kosten | ~€240/Jahr (inkl. Hosting) | ~€96/Jahr (externes Hosting) |
| Kosten über 3 Jahre | ~€720 | ~€1.778 |
Preise verifiziert im Mai 2026, gerundet: Lovable Pro kostet $21/Monat im Jahresabo (rund €20) bzw. $25/Monat bei monatlicher Zahlung. Wix Core liegt bei $29/Monat im Jahresabo (rund €27, also etwa €324/Jahr). Anbieterpreise ändern sich, vor einer Entscheidung bitte aktuell prüfen.
Auf den ersten Blick ist der Baukasten günstiger. Über die Jahre dreht sich das Bild: Das Abo läuft weiter, solange die Seite online ist, während die professionelle Seite eine einmalige Investition ist, die dir gehört. Dazu kommt der eigentliche Hebel, der sich schlecht in eine Tabelle pressen lässt: Eine Seite, die besser rankt und mehr Anfragen bringt, kann den Preisunterschied schnell überflüssig machen. Diese Rechnung hängt aber stark vom Einzelfall ab, deshalb verzichte ich bewusst auf eine dramatische Pauschalzahl.
Was ich als Profi anders mache
Ich nutze KI als Werkzeug in meinem Workflow, für Recherche, erste Textentwürfe und Code-Beschleunigung (Google AI Professional Certificate, sieben Module absolviert). KI ist ein Werkzeug, und ich setze es bewusst ein. Den Unterschied macht, was danach passiert.
Was die KI nicht für dich übernimmt:
- Strategie: Welche Seiten brauchst du wirklich? Welche Struktur bringt Anfragen?
- Custom Design: kein Template, sondern deine Marke, in Figma entworfen und pixelgenau umgesetzt
- Barrierefreiheit: Laut WebAIM-Million-Report 2026 weisen rund 96 Prozent der meistbesuchten Startseiten automatisch erkennbare WCAG-Verstöße auf. Automatisierte Prüf-Tools finden ohnehin nur einen Bruchteil der Probleme, der Rest braucht manuelle Arbeit.
- SEO mit Substanz: recherchierte Keywords, technische Optimierung, Inhalte, die Google als wertvoll einstuft
- Sicherheit: sauberer Code, getestet, gewartet, keine offenen Datenbanken
Wie ich das sehe
Die Projekte, die mich am meisten gefordert haben, waren Webseiten, die vorher mit einem Baukasten oder KI-Tool erstellt wurden. In fast jedem Fall war die Ladezeit zu langsam, die Struktur für Google schwer lesbar und das Design austauschbar. Der Neuaufbau hat messbar bessere Ergebnisse gebracht: mehr Sichtbarkeit, mehr Anfragen, zufriedenere Kunden.
Das heißt nicht, dass ein Baukasten immer falsch ist. Wenn deine Webseite lediglich deine Existenz bestätigen soll, also Name, Adresse, Telefonnummer, und keine Kundengewinnung über das Internet stattfinden muss, kann ein AI-Tool völlig ausreichen. Für alles, was Kunden bringen, sicher sein und langfristig ranken soll, ist professionelle Entwicklung die bessere Investition.
Was du dir damit ersparst
- das Risiko einer Webseite, die bei Google kaum sichtbar ist
- laufende Abo-Gebühren, die sich über Jahre summieren
- Nacharbeit, wenn die KI-Webseite nicht liefert, was sie versprochen hat
- Sicherheitslücken durch ungeprüften, automatisch generierten Code
Wenn du unsicher bist, welcher Weg zu deinem Projekt passt, melde dich. Ein kurzes Gespräch klärt das meist schneller als jedes Tool.