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23. Oktober 2025 Content Creation, News, Web Design Lesezeit: ~7 Min

WordPress — wie ein Blog-Tool das Internet übernahm

WP Logo

WordPress ist nicht einfach ein Content-Management-System. Es ist die Software, auf der fast die Hälfte des Internets läuft. Über 43 % aller Webseiten weltweit basieren auf WordPress — vom Whitehouse.gov über TechCrunch und die BBC bis zum Friseursalon um die Ecke. Kein anderes System kommt auch nur in die Nähe.

Wie es dazu kam, was sich gerade verändert und warum WordPress trotz allem die beste Basis für dein Unternehmen ist — darum geht es in diesem Artikel.

Wie alles begann

2003 haben Matt Mullenweg und Mike Little eine verwaiste Blogging-Software namens b2/cafelog genommen und daraus etwas Neues gebaut. Die Idee war simpel: Jeder soll Inhalte online veröffentlichen können, ohne Programmierkenntnisse. Aus dieser Idee wurde WordPress.

Die ersten Jahre ging es schnell. 2004 kamen Plugins — kleine Erweiterungen, die WordPress um beliebige Funktionen ergänzen. 2005 folgten Themes, mit denen sich das Design der Seite komplett verändern ließ. Damit war das Grundprinzip geboren, das WordPress bis heute ausmacht: ein schlanker Kern, der durch Plugins und Themes zu fast allem werden kann.

Vom Blog zur Plattform für alles

WordPress hat sich in den Jahren danach systematisch weiterentwickelt:

  • 2010: Custom Post Types — damit wurde WordPress vom Blogging-Tool zum echten CMS, das beliebige Inhaltstypen verwalten kann
  • 2015: REST-API — die Schnittstelle, über die WordPress mit externen Systemen und Apps kommuniziert
  • 2018: Der Gutenberg-Editor — ein Blockeditor, der das Schreiben und Gestalten grundlegend veränderte (und anfangs ziemlich polarisierte)
  • 2024: WordPress 6.5 bis 6.7 mit Font Library, Interactivity API, dem neuen Default-Theme Twenty Twenty-Five und dem Zoom-Out-Modus im Site Editor
  • 2025: WordPress 6.8 mit Fokus auf Performance, Speculative Loading und den Grundlagen für Phase 3 (kollaboratives Bearbeiten)

Heute ist WordPress weit mehr als ein Blog-Tool. Es ist ein modulares System für Webseiten jeder Art — vom einfachen Unternehmensauftritt bis zum internationalen Onlineshop mit Tausenden Produkten.

Die Zahlen: Warum WordPress dominiert

Hier die aktuellen Marktzahlen (Stand 2025, Quelle: W3Techs):

SystemAnteil aller WebseitenAnteil im CMS-Markt
WordPress~43 %~63 %
Shopify~4-5 %~7 %
Wix~2-3 %~4 %
Squarespace~2-3 %~3 %
Joomla~1,7 %~2,7 %
Drupal~1,5 %~2 %

WordPress hat also im CMS-Bereich fast zehnmal so viel Marktanteil wie der nächste Konkurrent. Das Plugin-Verzeichnis auf WordPress.org umfasst über 59.000 Erweiterungen. Und die Community dahinter ist riesig — Entwickler, Designer, Übersetzer, Autoren, alle arbeiten am selben Open-Source-Projekt.

Der Erfolg erklärt sich durch drei Dinge: Benutzerfreundlichkeit, Erweiterbarkeit und die Tatsache, dass WordPress Open Source ist. Keine Lizenzgebühren, kein Lock-in, volle Kontrolle über deinen Code und deine Daten.

WooCommerce — der Shop, der E-Commerce demokratisiert hat

WooCommerce wurde 2011 als flexible Shop-Erweiterung für WordPress entwickelt und ist heute die meistgenutzte E-Commerce-Plattform weltweit — mit rund 36-39 % Marktanteil im Onlinehandel.

Was WooCommerce besonders macht: Du hast die volle Kontrolle. Produkte, Varianten, Zahlungsanbieter, Versandlogik, Gutscheine, Rechnungen — alles lässt sich individuell anpassen. Und weil WooCommerce auf WordPress läuft, kannst du Blog, Firmenwebseite und Shop in einem System vereinen. Keine Drittanbieter-Schnittstellen, keine doppelte Pflege.

Für kleine und mittlere Betriebe ist WooCommerce oft die klügste Wahl: flexibler als Shopify, günstiger als Magento, und du bist Eigentümer deines Shops — nicht Mieter auf einer fremden Plattform.

Ein Wort zu Pagebuildern wie Elementor

2016 hat Elementor das Webdesign mit WordPress verändert. Der visuelle Drag-and-Drop-Editor machte es möglich, Layouts in Echtzeit zu gestalten — auch ohne Code. Heute hat Elementor über 16 Millionen aktive Installationen und ist besonders bei Agenturen und Freelancern verbreitet.

Ich sage das, weil es zur WordPress-Geschichte gehört. Aber ich sage auch ehrlich: Ich arbeite nicht mit Pagebuildern. Elementor, Divi und Co. laden massenhaft Code, machen Seiten langsam und erzeugen eine Abhängigkeit von einem Plugin. Wenn du Elementor deaktivierst, bleibt ein Haufen kaputter Shortcodes. Das ist kein solides Fundament für eine Webseite, die 5 Jahre halten soll.

Der native WordPress Block-Editor (Gutenberg) hat in den letzten Jahren enorm aufgeholt. Er speichert Inhalte als sauberes HTML, ist direkt in WordPress integriert und erzeugt keinen Overhead. Für meine Projekte reicht er zusammen mit sauberem Theme-Code vollkommen aus — und die Performance spricht für sich.

Wer tiefer einsteigen will: Ich habe einen eigenen Artikel dazu geschrieben, warum Pagebuilder mehr Probleme schaffen als sie lösen.

Die Kontroverse: Mullenweg vs. WP Engine (2024/2025)

Man kann nicht über WordPress im Jahr 2025 schreiben, ohne dieses Thema anzusprechen.

Im September 2024 hat Matt Mullenweg — Mitgründer von WordPress und CEO von Automattic — WP Engine öffentlich als „cancer to WordPress“ bezeichnet. Sein Vorwurf: WP Engine verdiene Millionen mit dem WordPress-Ökosystem, ohne angemessen zurückzugeben. Er forderte Lizenzgebühren für die Nutzung der Marken „WordPress“ und „WP“.

Was danach passierte, hat die Community erschüttert:

  • WordPress.org blockierte WP Engine — Millionen gehostete Seiten konnten zeitweise keine Plugin- und Theme-Updates mehr beziehen
  • WP Engine klagte gegen Automattic wegen Machtmissbrauch und wettbewerbswidrigem Verhalten
  • Rund 159 Automattic-Mitarbeiter (8,4 %) verließen das Unternehmen nach einem Abfindungsangebot
  • Ein Bundesrichter ordnete im Dezember 2024 per Eilentscheidung an, dass WP Engine der Zugang zu WordPress.org-Ressourcen wiederhergestellt wird

Das Verfahren läuft noch. Und es hat eine wichtige Frage aufgeworfen: Wer kontrolliert eigentlich WordPress.org? Die Community — oder ein gewinnorientiertes Unternehmen?

Meine Einschätzung: Die Kontroverse hat Vertrauen gekostet, keine Frage. Aber sie hat WordPress als Software nicht schwächer gemacht. Der Code ist Open Source — niemand kann ihn dir wegnehmen. Selbst wenn Automattic morgen verschwinden würde, könnte die Community WordPress weiterentwickeln (und es gibt bereits Überlegungen zu unabhängiger Governance). Für dich als Nutzer ändert sich im Alltag nichts. Dein WordPress, dein Hosting, dein Code — das gehört dir.

Wohin sich WordPress entwickelt

Die Zukunft von WordPress wird von drei Trends geprägt:

1. AI-Integration. WordPress selbst hat noch keine nativen AI-Features, aber das Ökosystem ist voll davon. Jetpack AI Assistant, AI-gestützte SEO-Tools in Yoast und Rank Math, und unzählige Plugins für Textgenerierung und Bildoptimierung. Die nächsten WordPress-Versionen werden AI wahrscheinlich tiefer integrieren.

2. Performance als Priorität. Speculative Loading in WordPress 6.8, besseres Lazy Loading, schlankerer Core — das Entwicklerteam arbeitet aktiv daran, WordPress schneller zu machen. Für dich als Seitenbetreiber heißt das: Bessere Core Web Vitals, besseres Ranking.

3. Collaborative Editing. Phase 3 der Gutenberg-Entwicklung bringt die Grundlagen für gemeinsames Bearbeiten — ähnlich wie bei Google Docs. Mehrere Personen sollen gleichzeitig an einer Seite arbeiten können. Das ist besonders für Teams und Agenturen spannend.

Dazu kommen Headless-Architekturen (WordPress als reines Backend mit einem separaten Frontend) und der kontinuierliche Ausbau des Site Editors, der langfristig die vollständige Gestaltung einer Seite ohne Code ermöglichen soll.

Warum ich auf WordPress setze — und du es auch tun solltest

Ich arbeite seit Jahren ausschließlich mit WordPress, und dafür gibt es gute Gründe:

  • Zukunftssicher. 43 % des Internets wechseln nicht einfach die Plattform. WordPress wird weiterentwickelt, solange es das Internet gibt.
  • Flexibel ohne Grenzen. Über 59.000 Plugins, unbegrenzte Designmöglichkeiten, und wenn es ein Plugin nicht gibt, lässt sich jede Funktion als Custom Code bauen.
  • Perfekt für SEO. Saubere Überschriftenstruktur, Schema-Markup, schnelle Ladezeiten, volle Kontrolle über jeden Meta-Tag. Kein Baukasten kann da mithalten.
  • Keine Lizenzgebühren. WordPress ist Open Source. Du zahlst für Hosting und — wenn du willst — für Premium-Plugins. Aber die Software selbst gehört der ganzen Welt.
  • Dein Eigentum. Keine Miete, kein Lock-in. Deine Seite läuft auf deinem Hosting, unter deinem Namen. Du kannst jederzeit den Hoster wechseln, einen anderen Entwickler beauftragen oder alles selbst machen.

Ob Unternehmensseite, Onlineshop oder Landingpage — WordPress ist die solide Basis, die mitwächst. Nicht weil es perfekt ist, sondern weil es das offenste, flexibelste und am besten unterstützte System ist, das es gibt.

FAQ

Häufige Fragen

Ist WordPress nach der Mullenweg/WP-Engine-Kontroverse noch sicher?
Ja. Die Kontroverse betrifft die Governance von WordPress.org und Markenrechte — nicht die Software selbst. Der WordPress-Code ist Open Source und wird von Tausenden Entwicklern weltweit gepflegt. Deine Seite, dein Hosting, dein Code gehören dir, unabhängig davon, was zwischen Automattic und WP Engine passiert.

Brauche ich einen Pagebuilder wie Elementor für WordPress?
In den meisten Fällen nein. Der native Block-Editor (Gutenberg) reicht für die allermeisten Webseiten. Pagebuilder machen Seiten langsam und erzeugen Abhängigkeiten. Wenn du dich für WordPress entscheidest, dann am besten mit sauberem Code und einem gut entwickelten Theme.

Was kostet WordPress?
Die Software ist kostenlos. Du brauchst Hosting (60 bis 200 Euro pro Jahr), eine Domain (10 bis 15 Euro pro Jahr) und eventuell Premium-Plugins. Eine professionell entwickelte WordPress-Seite vom Freelancer kostet ab 990 Euro netto. Mehr Details findest du in meinem Artikel über Webseiten-Kosten in Österreich.